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Durch eine geschickte Schaukelpolitik suchte Rhodos seine zunehmende Machtstellung zur See, wie auch in Handel und Finanz zu festigen. Zunächst unterstützte man den attischen Seebund, kurz darauf Persien gegen Makedonien und später Alexander den Großen, was der Insel Handelsvorteile einbrachte. Nach Alexanders Tod lehnte Rhodos einen Kriegszug gegen den makedonischen Feldherrn Ptolemaios I. ab. Zur Strafe erschien 305 v. Chr. der Städtebezwinger Demetrios Poliorketes und belagerte die Stadt mit einer mächtigen Flotte und modernster Belagerungsmaschine, den (i) Helepolis. Trotz sechsfacher Übermacht konnte er die gerade erst ein Jahrhundert alte Hauptstadt Rhodos nicht einnehmen. 304 v. Chr. schloss man einen Freundschaftsvertrag mit Rom. Rhodos stand sowohl politisch als auch wirtschaftlich in hoher Blüte und wurde zur „Beherrscherin des Meeres“ und war der letzte große griechische Freistaat. Die Stadt Rhodos wurde zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens. Besonders berühmt war sie für ihre Malerei und gestaltende Kunst. Die Skulpturen des Chares, der den Koloss schuf, die Gemälde des Protogenes sowie die von rhodischen Bildhauern erschaffene berühmte Marmorgruppe des Laokoon gehören zu den prächtigsten Werken dieser Zeit. Rhodos war treuer Verbündeter von Julius Cäsar und unterstützte ihn bei seinem Kampf gegen den römischen Senat (48 v. Chr.). Erst als 42 v. Chr. Gaius Cassius Parmensis, einer der Mörder Cäsars, in Rhodos einmarschierte, Cäsars Freunde auslöschte, die Tempel plünderte und alle Reichtümer an sich riss brach die einstige Macht der Stadt.
Der Koloss von Rhodos eines, der (i) sieben Weltwunder der Antike, wurde zu Ehren des Sonnengottes Helios, von einem einheimischen Bildhauer namens Chares von Lindos erbaut (292 v. Chr.). Die Bauzeit für den über 30 Meter großen Giganten betrug 12 Jahre. Über das genaue Aussehen oder den Standort gibt es keine zeitgenössischen Quellen, eines scheint auf jeden Fall sicher zu sein: Er stand weder breitbeinig, noch überspannte er die Hafeneinfahrt, man vermutet den Standort in Nähe des Großmeisterpalastes. Überreste, des bei einem Erdbeben um das Jahr 227 v. Chr. völlig zerstörten Bauwerkes, sind nie gefunden worden. Da das Orakel von Delphi die Bevölkerung vor einer Wiederherstellung warnte, waren die Trümmer noch 800 Jahre zu besichtigen, bis sie mit angeblich 900 Kamelen abtransportiert wurden.
Nach dem Verlust ihres Sitzes im heiligen Land eroberten 1309 die Ritter vom Johanniterorden Rhodos. Sie errichteten Befestigungen, bauten ein Hospital und Verteidigungsanlagen. Der Orden setzte sich aus Mitgliedern verschiedener Nationalitäten zusammen und jeder Ritter lebte in der Herberge seiner Landsmannschaft (Zunge). Jeder Zunge stand ein Pilier vor, der für bestimmte allgemeine Aufgaben zuständig war. Geleitet wurde der gesamte Orden von einem auf Lebzeit gewählten Großmeister, dem alle Ordensmitglieder absoluten Gehorsam schuldeten. Einen deutschen Großmeister gab es nur einmal, jedoch nicht auf Rhodos. Frankreich, Auvergne, Provence, Deutschland, Italien, England und Spanien, daß sich später in Kastilien und Aragonien teilte, waren die acht Gruppen, von denen jede einen bestimmten Sektor der Stadtmauer zu verteidigen hatte.
Auch zur See waren die unermüdlichen Verteidiger des Christentums allgemein gefürchtet. Auf ihren unzähligen Kaperfahrten griffen sie offiziell nur osmanische Schiffe an, doch auch byzantinische Kauffahrer wurden gelegentlich ausgeraubt. 1444 schlugen die Ritter, von den Einheimischen unterstützt, den Sultan von Ägypten in die Flucht, das gleiche Schicksal ereilte 36 Jahre später auch der Armee des Sultans Mohammed II. So wehrten die Ritter 213 Jahre lang alle Angriffe ab, bis sich Sultan Süleiman II. zum Sturm auf Rhodos entschloß. Nach erbittertem Kampf und 145 tägiger Belagerung fiel die Stadt. Am 1. Januar 1523 durften die 180 Ritter die überlebt hatten mit allen Ehren aus Rhodos in Richtung Malta abziehen. Heute erinnert die Süleiman-Moschee, in der Altstadt an den osmanischen Herrscher.
Fast vier Jahrhunderte blieb Rhodos in türkischer Hand, was jedoch keine tiefen Spuren hinterließ. Sieger und Besiegte lebten nebeneinander her, ohne das sich die beiden Kulturen vermischten. Die Türken bauten und zerstörten nur wenig, einige Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, der Großmeisterpalast wurde als Viehstall zweckentfremdet und die einst prächtigen Ritterherbergen erlitten wechselnde Schicksale. Als Griechenland sich 1821 gegen die Türken erhob und nach langem Kampf seine Unabhängigkeit gewann, rebellierte auch das Rhodische Volk, doch der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Die Wende kam mit dem Italienisch-türkischen Krieg (1911/12), als die Türken vertrieben wurden und Italien durch den Lausanner Vertrag Rhodos und die Dodekanes - Inselgruppe zugesprochen bekam. Die Italiener begannen mit Ausgrabungen, Restaurationen, bauten Straßen und Verwaltungsgebäude, schufen so die Voraussetzung für die spätere Entwicklung.
An die vorgesehene Rückgabe an Griechenland dachten sie nicht und so wurde Rhodos zur Sommerresidenz der Herrscher. Nach Mussolinis Fall im Sommer 1943 landeten die Deutschen auf der Insel und besetzten Rhodos nach heftigem Kampf mit ihren früheren italienischen Waffenbrüdern. Die Befreiung der Insel erfolgte 1945 durch die Engländer, die sie bis zur Vereinigung mit dem griechischen Mutterland 1947, treuhänderisch für die Vereinten Nationen verwalteten. Die letzten Eroberer waren und sind auch heute noch gern gesehen, Touristen die nichts als Sonne und Spuren einer glorreichen Vergangenheit suchen!
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